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Falls ihr es noch nicht wusstet: Ja, wir schauen “Popstars” - diese Perle des deutschen Casting-TVs (jetzt isses raus).

Uns fasziniert, dass sich immer noch jede Menge junger Menschen finden, die mit erheblichem Ehrgeiz an einem schier endlosen, im zeitlichen Nichts stattfindenden Auswahlprozess teilnehmen und meinen, dass sie dann eine große Karriere erwarte. Die Aussicht in die “großen Fußstapfen” von Bands wie No Angels, Preluders, Bro’Sis, Monrose und nicht zuletzt Nu Pagadings treten zu können, treibt sie durch Casting, Recall, Re-Recall, Bandhaus 1-3, Themenshows, Auslandsauftritte, “Entscheidungsshows”, “Countdownshows” schließlich bis ins Finale.

In Wirklichkeit werden sie lediglich für die Dauer der Staffel zu “Stars”, denn man fiebert mit ihnen wenn der strenge Zuchtmeister Detlef D! Soost sie abbügelt, anbrüllt und zusammenstaucht oder der “Erfolgsproduzent” Dieter Falk mal wieder ein Konzert absagen will, weil die Leistungen der Kandidaten angeblich zu schlecht sind (natürlich nur zur Förderung der Motivation). “Brüll denen doch mal deine Meinung ins Gesicht!” will man den Kandidaten zurufen, wenn Jane Comerford (Sängerin der Band Texas Lightning) blutleere “Performances” beklagt oder wie eine Grundschullehrerin die sozialen Prozesse innerhalb der zusammengewürfelten Kandidatengruppen analysiert.

Gestern abend gab’s mal wieder großes Kino, denn es ist - endlich - der schöne Fabrizio rausgeflogen, der nie wirklich eine Chance hatte, da er - man muss es einfach so hart sagen - lispelt. Er hat sich zwar enorm reingehängt, aber es war immer klar, dass er es nicht bis ins Finale schaffen würde. Unter Tränen und vor seinen extra angereisten (700km!), sehr italienisch aussehenden Eltern war in der “vorletzten Entscheidungsshow vor dem Finale” (Pro7) Schluss.

Bleiben bei den Jungs noch Cristobal, Julian, Sascha und Norman und bei den “Mädels” Jenny, Marcella und Tialda. Als nächstes fürfte Norman fliegen. Er ist Holländer und singt fantastisch, aber Dieter Falk wird sagen, dass er “einfach nicht in das Konzept der Band, welche ja der geilste Live-Act Deutschlands werden soll” passe, da er eine fantastische Stimme und eine super Ausstrahlung habe und viel besser zum Solokünstler geeignet sei, als sich in einer Gruppe namenloser Nobodies einzureihen. (Naja, ganz so wird es nicht sagen, aber so ähnlich). Man wird ihm also nahelegen, eine Solokarriere zu starten und nie wieder von ihm hören.

Das gleiche gilt bei den Mädels für Tialda, die genauso wie Norman im holländischen Auslandsasting dazugekommen war. Jenny und Marcella haben einfach viel weniger Ausstrahlung und passen daher viel besser in die Popstars-Retorten-Band, bei der es keine Charakterköpfe geben darf.
Offen ist also nur, wer von den Jungs noch im Finale rausfliegen wird. Unserer Prognose nach wird das Cristobal sein, da er irgendwie reifer wirkt als der Justin Timberlake Verschnitt Julian und der grüblerisch-aufbrausende Sascha, der sich bereits mehrfach mit D! angelegt hat. Daher dürften ihm bei den final abstimmenden “SMS-Votern” entscheidende “Votes” fehlen.

Die Popstars-Band 2007 wird demnach aus Jenny, Marcella, Sascha und Julian bestehen. Wie hieß die neue Band gleich nochmal? Ich weiß es jetzt schon nicht mehr.

Zum Einstieg: Die Popstars bei Pro7, Auf YouTube

 

(wenn die Überschrift nicht Traffic bringt…)

Gestern war der Papst in Wien und hielt eine Rede. Darin ging es unter anderem um Afrika und Aids. Zwischendurch spielte ein Quartett klassische Musik. Martina und ich hatten auf einmal eine lustige Schreckensvision: Mal angenommen in fünf Jahren vermarktet Google Fernsehwerbung. Es würde sofort in der Musikpause ein 30-Sekunden Werbespot eingeblendet. Vollautomatisch und kontextsensitiv - versteht sich. Was wäre das wohl? Durex- und Condomi-Reklame?

 

sternstunde.jpgTV Gebühren lohnen sich doch! Wer’s nicht glaubt muss mal die Philosophiesendung Sternstunde Philosophie auf 3 Sat anschauen. Sehr interessante Gäste, sehr gute Moderatoren, angeregte Gespräche.

Heute morgen war Henryk M. Broder (laut FAZ/Wikipedia “erbarmungsloser Provokateur und klassischer Unruhestifter”) zu Gast bei Roger de Weck (Publizist) und die beiden stritten sich trefflich über Broders neues Buch Hurra, wir kapitulieren. Ganz großes Fernsehen!

Und wie zum Dank an den deutschen Gebührenzahler stellt das Schweizer Fernsehen das ganze Gespräch auch noch als Podcast bereit. So soll’s sein.

 

Mit offenen Karten Im Web2.0-Zeitalter sollte man nicht vergessen, ab und zu auch einmal den Fernseher an zu machen!

Z.B. für die Sendung “Mit offenen Karten” (bzw. “Le Dessous des cartes”) auf ARTE. Natürlich kann man die Sendung auch auf YouTube ansehen, aber das ist nicht dasselbe!

Das Konzept der Sendung:
“Ausschließlich anhand von Karten werden komplexe historische, geopolitische oder wirtschaftliche Sachverhalte verständlich aber hochkonzentriert dargestellt.” (Artikel in Wikipedia)

Warum wir die Sendung gerne ansehen?

Die Karten sehen einfach wunderschön aus (wirklich!)! Obwohl die Informationen nur über Karten transportiert werden, ist die Sendung trotzdem hochinteressant und überhaupt nicht langweilig. - Vielleicht mögen wir die Sendung gerade deshalb. Das Konzept ist so schön altmodisch (”Mit offenen Karten” ist tatsächlich die älteste ARTE-Sendung, die noch immer produziert wird) und dadurch so erfrischend anders als andere kurzlebige Sendeformate…

Gäbe es ein Buch mit den Karten der besten Sendungen, ich würde es sofort kaufen!

Außerdem kommt hier auch etwas Nostalgie auf - irgendwie fühlt man sich angenehm an die Schulzeit erinnert, als man im Erdkundeunetrricht den Diercke Weltatlas studiert hat…

Sendezeiten: »Mit offenen Karten« wird jeden Mittwoch gegen 22:25 Uhr auf ARTE ausgestrahlt. Die Sendung wird wochentags um 8:15 Uhr und 10:25 Uhr, samstags um 13:45 Uhr sowie mittwochs zusätzlich um 14:30 Uhr wiederholt. Viel Spaß dabei!

 

Current TVCurrent ist ein amerikanischer Fernsehsender, dessen Programm zu einem Drittel (Tendenz steigend) von seinen Zuschauern produziert wird. Das funktioniert so: Man erstellt einen eigenen Clip (auf der Website gibt es ein nettes flash-basiertes E-Learning über das Filmeproduzieren), lädt ihn hoch, die anderen Zuschauer stimmen darüber ab und wenn man genügend Zustimmung gefunden hat, geht der Filmbeitrag tatsächlich über den Bildschirm. Sogar Werbespots (für Sony, Toyota und L’Oréal) werden von Zuschauern gefertigt.

Current nennt dieses Konzept VC2 (viewer created content), welches super zu dem Vortrag von Xavier Comtesse auf der lift06 passt: In den neuen Geschäftsmodellen sind wir nicht mehr nur passive Konsumenten, sonderen vielmehr “ConsumActors“, die das Produkt (in diesem Fall ist es das Fernsehprogramm) selbst fertigstellen.